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Landtag mit Tradition

Thüringen – Kernland des deutschen Parlamentarismus

In Thüringen tagte die erste frei gewählte Volksvertretung Deutschlands: Am 2. Februar 1817 trat der Landtag des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach zusammen. Damit war im größten thüringischen Teilstaat, geprägt von Großherzog Carl August und seinem Minister Johann Wolfgang von Goethe, ein Ziel verwirklicht, auf das die Menschen in anderen Teilen Deutschlands noch jahrzehntelang warten mussten. Die Verfassung von Sachsen-Weimar-Eisenach aus dem Jahr 1816 schloss als erste in der deutschen Geschichte die vollständige Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit ein. Thüringen war trotz seiner Aufgliederung in etliche Kleinstaaten ein Refugium freiheitlicher Gesinnung.

Von hier aus wurde die Schaffung eines geeinten deutschen Verfassungsstaates angestrebt. Davon zeugen das Gothaer Nachparlament zur Frankfurter Nationalversammlung (1849), das Erfurter Unionsparlament (1850), die Gründung der ersten gesamtdeutschen Arbeiterparteien in Eisenach (1869) und Gotha (1875) und schließlich die Weimarer Nationalversammlung (1919). Der Freistaat erweist sich damit als ein Kernland des deutschen Parlamentarismus.

Das Fürstenhaus in Weimar.
Das Fürstenhaus in Weimar.
Datum  Geschehen
01.05.1920 Gesetz über die Bildung des Landes Thüringen tritt in Kraft
11.03.1921 Verabschiedung der Verfassung des Landes Thüringen durch den Landtag (Weimar wird Landeshauptstadt)
zwischen 1920 und 1932 finden sechs Landtagswahlen statt – ein Zeichen für die
politischen Turbulenzen in der Weimarer Republik
14.02.1933 letzte Tagung des Thüringer Landtags vor der »Gleichschaltung« durch die Nationalsozialisten
05.03.1933 »gleichgeschalteter« Landtag (keine Landtagswahl, Sitzverteilung entsprechend dem Stimmverhältnis der Reichstagswahl)
20.10.1946 letzte freie Landtagswahl vor 1990. Alle späteren Wahlen fallen unter das Wahlgesetz der DDR vom 9. August 1950.
20.12.1946 Annahme einer neuen Landesverfassung
Juli 1952 Bildung der Bezirke Erfurt, Gera und Suhl, damit Auflösung des Landes Thüringen auf Grundlage der Verwaltungsreform im Gebiet der ehemaligen DDR
03.10.1990 Neubildung des Freistaats Thüringen durch Zusammenlegung der Bezirke Erfurt, Gera und Suhl zuzüglich der Kreise Altenburg, Artern und Schmölln
14.10.1990 erste freie Landtagswahl nach 44 Jahren und damit die 8. freie Landtagswahl in der Geschichte Thüringens seit 1920
10.01.1991 Der Landtag beschließt in seiner 8. Sitzung: Erfurt ist Sitz des
Thüringer Landtags und die Landeshauptstadt Thüringens.
25.10.1993 Der Landtag verabschiedet auf der Wartburg in Eisenach die Verfassung für den Freistaat Thüringen.
16.10.1994 Wahl des Landtags für die zweite Legislaturperiode nach der
Neugründung des Freistaats Thüringen. Im Volksentscheid geben ca. 70 % der Abstimmenden der Verfassung des Freistaats Thüringen ihre Zustimmung.
12.09.1999 Wahl des Landtags für die dritte Legislaturperiode
13.06.2004 Wahl des Landtags für die vierte Legislaturperiode
30.08.2009 Wahl des Landtags für die fünfte Legislaturperiode
14.09.2014 Wahl des Landtags für die sechste Legislaturperiode